Juden in Chemnitz
Ein Buch zur Geschichte der Gemeinde und ihrer Mitglieder
Mit einer Dokumentation des jüdischen Friedhofs
Chemnitz war in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine blühende Stadt voller Kunst und Kultur. Gewachsen im Wohlstand durch Industrie und Handel war sie neben Dresden und Leipzig eine der Metropolen in Sachsen. Der Begriff "sächsisches Manchester" mit dem Chemnitz in Europa zunehmende Bekanntheit erlangte, basiert auf den Leistungen der einheimischen Industrie, besonders des Maschinenbaus und der Textilindustrie. Eine bedeutende Rolle im Leben der Stadt nahm ihre Jüdische Gemeinde mit über 3.500 Mitgliedern ein. Sie war in der Zeit eine der größten Gemeinden Deutschlands und nahm aktiven Anteil an der Entwicklung ihrer Stadt. Der Text-Bild-Band »Juden in Chemnitz« ist die erste Publikation seit über 30 Jahren über die Geschichte der Jüdischen Gemeinde und ihrer Mitglieder in Chemnitz.

Wie in einem Mosaik zeichnen die Autoren das Leben der Gemeinde in einzelnen Kapiteln nach: über die Jüdische Erziehung in Chemnitz, die Jüdischen Vereine und Organisationen, ihre Stiftungen und den Kulturbund, die Rolle der ausländischen Juden in Chemnitz, die der einzelnen Berufsstände wie Rechtsanwälte und Notare, der Mediziner, Ärzte, Dentisten und Apotheker und der Jüdischen Kunstsammler und Mäzene. Der Band enthält Berichte über jüdische Frontsoldaten im Ersten Weltkrieg sowie die Warenhäuser Tietz und Schocken mit ihrer modernen Architektur das Stadtbild prägten.

Mit der Kristallnacht beginnt die Vertreibung und Ermordung der Chemnitzer Juden. Auch dieses dunkle Kapitel in der Geschichte sowie die allmähliche, schwierige Wiedergeburt jüdischen Lebens in den Jahren sowjetischer Besatzungszeit und der steinige Neuanfang im sozialistischen Karl-Marx-Stadt - ist mit Dokumenten und Erlebnisberichten von Zeitzeugen belegt. Eine Vielzahl von Fotografien und anderen persönlichen Schriftstücken aus dem Privatbesitz ehemaliger Chemnitzer Juden gewährt einen Einblick in alltägliches Leben der Stadt. Die sich anschließende Dokumentation des Jüdischen Friedhofs Chemnitz ist eine bisher einmalige Leistung.

Historiker und Gemeindevertreter haben alle 1240 Grabstellen chronologisch und alphabetisch erfasst und aufgeführt. Ausgewählte Gräber sind vollständig in Text und Bild verzeichnet, die Aufschriften der Grabmale wurden aus dem Hebräischen übersetzt. Die Geschichte der Familien bis hin zur Gegenwart wurde akribisch recherchiert und erzählt. Ein umfangreiches Namensregister listet die auf dem Jüdischen Friedhof bestatteten und im Gedenken erwähnten Personen, die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Frontsoldaten aus dem Chemnitzer Gemeindebezirk, die Namen der russisch jüdischen Kriegsgefangenen, der jüdischen Zwangsarbeiter, der nach Polen ausgewiesenen Chemnitzer Juden, die Namen der im Zuge der Reichsprogromnacht 1938 Verhafteten sowie der aus Chemnitz deportierten Juden und ihr Schicksal. Damit ehrt das Buch die jüdische Gemeinde aus Chemnitz und ist dabei gleichzeitig eine profunde Quelle für Forschung für die Nachkommen die heute über alle Welt verstreut sind.